Stefan Hänsch

inspirieren – prägen – bewegen

“Man muss es lernen so NEIN zu sagen, dass der andere mit dem Gefühl aus dem Gespräch geht, dass es eine Ehre war, mit dir geredet zu haben.” Verfasser unbekannt.

Image: Simon Howden / FreeDigitalPhotos.net

Je nach Persönlichkeitstyp fällt es einem leichter oder schwerer Grenzen zu setzen und NEIN zu sagen. Je nach Persönlichkeitstyp überrennt man aber auch schneller die Grenzen anderer .

Es gibt Menschen, die nicht NEIN Sagen können. Es gibt Menschen, die ein NEIN nicht hören bzw. akzeptieren können. Das macht die Diskussion rund um das Thema ein wenig kompliziert.

  • Der Nachgiebige fühlt sich von anderen kontrolliert oder hat Schuldgefühle. Er kann keine Grenzen setzen.
  • Der Unzulängliche setzt Grenzen, ist aber nicht in der Lage die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.
  • Der Kontrollierende wird aggressiv und verletzt auf manipulative Art die Grenzen anderer.
  • Der Vermeider setzt überall und in jede Richtung Grenzen, vergisst dabei aber Verantwortung anderen gegenüber wahrzunehmen.

Diese Typen treffen in einer Organisation in allen Konstellationen aufeinander. Je nachdem welche Erfahrungen man mit diesen Menschentypen gemacht hat, bildet man sich seine eigene Meinung zum Thema NEIN Sagen und grenzt sich entsprechend ab.

Bei unserer Facebook Diskussion über das Thema Nein-Sagen sind mir zwei große Linien aufgefallen. Die meisten Argumente drehten sich um Ängste. Es waren Ängste der Nein Sager vor Fremdbestimmung durch Leiter und es waren Ängste von Leitern, die ihre Felle davon schwimmen sahen, irgendwann keine Leute mehr zu haben, die JA zu “ihrer” Sache sagen.

Ich persönlich kenne die Ängste, die man Menschen gegenüber hat, wenn man NEIN sagt:

  • die Angst den anderen zu verletzen
  • die Angst als egoistisch zu gelten
  • die Angst Gott gegenüber ungehorsam zu sein
  • die Angst, das Gegenüber würde auf jede meiner zukünftigen Anfragen mit Nein antworten.

Als Leiter kenne ich aber auch die Befürchtung, dass man auf einmal selbst derjenige ist, der von Menschen zu häufig ein NEIN zu hören bekommt.

Auch hier sind Ängste im Spiel.

  • die Angst irgendwann allein dazustehen
  • die Angst dass sich das eigene Team verflüchtigt
  • die Angst, dass man seine Gott gegebene Vision nicht zu Ende bringen kann

Ich glaube, dass hinter allem ein starker Machbarkeitsgedanke steht. Wenn ich nichts unternehme, kommt Gott mit seinen Plänen nicht ans Ziel. Wenn ich den Menschen nicht in ihre Berufung führe, wer dann? Daniel Zimmermann hat in einen Kommentar auf facebook geschrieben.

Wer immer nur Ja sagt nimmt andere zu wichtig.
Wer immer nur Nein sagt nimmt sich selbst zu wichtig.
Wer um seine Berufung und seinen Auftrag weiß und darum Ja oder Nein sagen kann, nimmt Gott ernst.

Das trifft so ziemlich den Nagel auf den Kopf und ich persönlich glaube, dass wir hier mit unserem Denken ansetzen müssen. Gott ernst zu nehmen und seine Berufung für unser Leben herauszufinden und nicht die Vorstellung anderer Menschen für unser Leben umzusetzen.

  1. Je mehr du Nein  sagst, desto näher bewegst du dich an deiner Berufung.
  2. Je mehr du Nein sagst, desto mehr befähigst du andere ihre Berufung zu finden.

Als junger Leiter bestand mein größter Fehler darin, dass ich viel Zeit mit Dingen vergeudet habe, die gar nicht dem entsprachen was ich wirklich gut konnte und was demnach meiner Berufung entsprach. Mir fällt es leicht spontan zu reden, aber ich kann nicht gut planen und Dinge managen. Ich kann sehr gut Visionen entwickeln, bin aber in der Umsetzung nicht sehr gut. Als junger Leiter steht man in der Gefahr alles selbst zu machen um zu beweisen, dass man auch ein guter Leiter ist. Aus dem Grund sagt man zu zu vielen Sachen JA wo man eigentlich NEIN meint. Das verursacht Stress. Gleichzeitig verhindert man, dass die Menschen um einen herum in ihre Berufung finden. Sie tun es einem gleich und sagen zu vielen Nebensächlichkeiten JA, die gar nicht ihren Begabungen entsprechen. Aus dem Grund bin ich überzeugt, dass es die vornehmlichste Aufgabe eines Leiter ist andere in ihre Berufug zu führen. Ein erster wichtger Schritt dazu ist es ihnen beizubringen zu Nebensächlichkeiten NEIN zu sagen, um ein volles JA zu ihrer Berufung zu finden.

“Die Quantität deiner NEIN’s bestimmt die Qualität deiner JA’s.”

Philipp R. Johner

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