Stefan Hänsch

inspirieren – prägen – bewegen

Vor einiger Zeit veröffentlichte Tillmann Zschernack auf dem icf-berlin netz:werk blog einen genialen Artikel zum Thema: “Zu früh abgebogen.” Ich fand den Artikel über das Scheitern sehr gut und eine ideale Ergänzung zu der derzeitigen “Entscheidungsreihe”, dass ich ihn euch nicht vorenthalten wollte. Deshalb heute hier ein erster “guest post”.

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Nichts ist auf Dauer lähmender als eine nicht getroffene Entscheidung und Du bist losgelaufen. Das weite Land liegt vor Dir. Erobere es! Nicht immer enden all unsere Entscheidungen im Triumph. Nicht immer erweisen sich alle unsere Entscheidungen im Nachhinein als richtig. Obwohl wir gründlich überlegt, Gott um Weisheit gebeten und uns schließlich ein Herz gefasst haben, müssen wir gelegentlich auch feststellen, dass wir uns falsch entschieden haben. Was, wenn wir daneben gelegen haben?

Mir ist neulich ein Vers aus Jesaja in den Sinn gekommen:

Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jesaja 40, 30.31)

Es mag erstmal verstörend klingen, aber Scheitern gehört zum Menschsein dazu. Wir sind nicht perfekt, selbst wenn wir uns noch so sehr danach ausstrecken. Wir sind nicht vollkommen (sonst wären wir wie Gott, und das Dilemma mit der Sünde fing ja erst an, als die Menschen sein wollten wie Gott…). Wenn Du Mensch bist, wirst Du Dich irren. Wenn Du Mensch bist, wirst Du Fehler machen. Wenn Du Mensch bist, wirst du scheitern. Die Frage ist nur, wie Du damit umgehst.

Wenn Du eine falsche Entscheidung getroffen hast, gibt es drei Möglichkeiten, darauf zu reagieren:

1. Du machst weiter, als wäre alles in Ordnung.

Meist hat das irgend etwas mit Stolz zu tun oder der Angst, einen Fehler einzugestehen. Es wird schon irgendwie klappen. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Ich will mir keine Blöße geben. Es kann nur leider sein, dass wir uns auf diese Weise verrennen.

2. Du wirfst alles über Bord und fängst nochmal bei Null an.

Das ist der radikale Weg. Der Weg, der kein gutes Haar an dem lässt, was war. Manchmal ist das notwendig, “zurück auf Los” zu gehen und nochmal in eine andere Richtung zu starten.

3. Du nimmst einen Umweg.

Du gestehst Dir ein, dass Dich Deine Entscheidung nicht an das richtige Ziel gebracht hat und überlegst, wie Du nun dieses Ziel erreichen kannst.

Aber ärgere Dich nicht zu viel über Dich selbst. Erlaube Dir, Fehler zu machen und lass Dich nicht von ihnen lähmen. Wie es in Jesaja heißt: “Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen”. Wichtig ist nur, dass wir nicht liegen bleiben.

Gott ist ein Gott der zweiten Chance.

Manche Menschen haben ihn bereits so erlebt. Er ist ein Gott, der auf uns zugekommen ist, als wir gescheitert waren. Der (wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn) losrennt, wen wir auf ihn zu laufen. Der vergibt, obwohl wir es nicht verdient haben und der uns heilt und Frieden schenkt, obwohl wir Unheil angerichtet haben. Wenn Gott uns unser Scheitern vergibt und uns wieder aufhilft, verleiht uns das “Adlersflügel”, die es uns erlauben, eine neue, göttliche Perspektive einzunehmen, unsere Situation neu zu beurteilen und mit Gott neue Schritte zu gehen.

Jemand hat einmal gesagt: ”Hinfallen ist menschlich, liegen bleiben ist teuflisch, aufstehen ist göttlich.”

Ich wünsche Dir und mir, dass wir es lernen, immer einmal mehr aufzustehen, als wir hingefallen sind. Dass wir nicht am Boden liegen bleiben, weil wir uns das laufen nicht mehr zutrauen, dass wir nicht in Schockstarre verharren, weil wir uns keine guten Entscheidungen mehr zutrauen, sondern das wir lernen, das falsche Entscheidungen dazugehören, ein Mensch zu sein.

Ein Freund von mir nennt das “mit Freude scheitern”.

Niemand erwartet, dass wir Perfekt sind. (Außer vielleicht uns selbst…)

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